Am 21. Dezember 1866 holten die Indianer zum großen Schlag aus. Red Cloud postierte etwa 1.500 - 2.000 Krieger hinter dem Lodge Trail Ridge, einer Hügelkette, und legte am Peno Creek einen Hinterhalt, nur fünf Kilometer vom Fort entfernt. Inzwischen führten Crazy Horse und Hump zwei Kriegergruppen in die unmittelbare Nähe des Forts, die als Lockvögel dienen sollten. Eine weitere Schar überfiel den Holztransport.
Die Wochposten des Forts schlugen sofort Alarm. Carrington beauftragte Hauptmann James Powell, die Holzarbeiter zu befreien. Da drängte sich Hauptmann William F. Fetterman nach vorne, wegen seines Dienstalters forderte er das Kommando dieser Aktion, von der er sich Ruhm erhoffte. Carrington gab es ihm. Dabei wies er Fetterman nachdrücklich darauf hin, sich nur um die Holzwagen zu kümmern. Auf keinen Fall sollte er über den Lodge Trail Ridge hinaus reiten.
Der Hauptmann hielt Carrington für feige, er nahm noch zwei weitere Offiziere mit auf die Mission, Brown und Leutnant Grummond. Wie Fetterman waren sie als Hitzköpfe bekannt. Der Leutnant ließ im Fort seine Frau zurück - vor wenigen Monaten erst hatten sie geheiratet.

"Fetterman Battlefield" (im Hintergrund, rechts, der Massacre Hill)
Das übersteigerte Selbstvertrauen der Offiziere hätte Carrington dazu veranlassen müssen, seinen Befehl zu überdenken und andere Männer mit dieser Aufgabe zu betrauen. Aber er tat es nicht. Fetterman sah sich selbst als Kämpfer und als Stratege. Er ging nicht direkt gegen die Angreifer des Holztransportes vor, sondern umging die Indianer, um sie von hinten überraschen zu können. Auf diese Weise würde er sie zum Kampf zwingen, denn der Rückzug wäre ihnen verwehrt.
Da erblickte er einige Männer von Crazy Horse, die als Köder ausgesandt worden waren. Und tatsächlich ließ sich der Hauptmann dazu hinreißen, mit seinen Männern die Verfolgung aufzunehmen und jagte in Richtung Lodge Trail Ridge hinter den Indianern her. Bei einer Böschung stießen sie auf die Hauptmacht von Red Cloud - die Falle war zugeschnappt. Crazy Horse gab ein Signal, und die Sioux, Cheyennes und Arapahoes stürzten sich auf die 81 Reiter.
Es herrschte beißende Kälte auf der Böschung, die fortan Massacre Hill ("Massacre-Hügel") genannt werden sollte. Männer und Pferde rutschten auf den vereisten Flächen aus, der Schnee färbte sich blutrot. Die Indianer ließen Fettermans Abteilung keine Chance: zuerst erwischte es Grummond, der vorneweg ritt, innerhalb von nur einer Stunde starben alle übrigen Soldaten. ... Die Armee nannte diesen Vorfall, in dem der unbesonnene Hauptmann alle Männer verlor, das "Fetterman Massacre". In der Erinnerung der Indianer hingegen lebte das Ereignis als The Battle of the Hundred Slains ("Schlacht der hundert Erschlagenen") fort.
Dies war die schwerste Niederlage, die die Armee bis dahin im Westen erlitten hatte. Nur einmal zuvor in ihrer Geschichte hatte sie einen Kampf ausgetragen, den keiner ihrer Soldaten überlebte. ... Die Vermutung über die Zahl der Opfer unter den Indianern gehen auseinander: Nach ihren eigenen Angaben war von bis zu 200 Verwundeten und Toten die Rede, nach Schätzungen der Armee betrug die Zahl dagegen 60. Wahrscheinlich ist die Zahl niedriger anzusetzen. (9)

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